Herz bleibt jung mit Rotwein

Salzburger Nachrichten 9. Juni 2008

Rotwein schmeckt nicht nur wunderbar, er verzögert – in Maßen getrunken – offenbar auch die Alterung des Herzens, kombiniert mit einer Kalorienreduzierung.

Resveratrol ist ein Antioxidans, das in hohen Mengen in den roten Trauben vorkommt. Es findet sich auch in anderen Pflanzen, etwa in Himbeeren, Maulbeeren und Erdnüssen. Die Aufgabe des Resveratrols in der Natur ist, Pflanzen in feuchten Perioden vor Parasiten und Pilzinfektionen und gegen Lichtstress zu schützen. Studien im Labor haben Hinweise auf eine Wirksamkeit gegen Krebszellen erbracht.

Der Rotwein-Inhaltsstoff Resveratrol verlängert bei Tieren wie zum Beispiel Fischen die Lebensspanne. Ebenfalls lebensverlängernd wirkt bei vielen Tieren die so genannte Kalorienrestriktion, bei der die Energiezufuhr um 20 bis 30 Prozent verringert wird. Eine US-Studie zeigt nun, dass Resveratrol und eine solche dauerhafte Kalorienreduzierung das Herz in ähnlicher Weise beeinflussen und – in Kombination – offenbar einen beeindruckenden Effekt haben.

Die Forscher der Universität von Wisconsin in Madison verglichen Genaktivitäten von Mäusen, die entweder Resveratrol erhielten oder aber kalorienreduzierte Nahrung. Dabei untersuchten die Forscher im Herzgewebe etwa 1000 Gene, deren Aktivität sich mit zunehmendem Alter verändert.

Eine Diät änderte die Aktivität von 90 Prozent dieser Gene, die Gabe von Resveratrol beeinflusste 92 Prozent davon. In beiden Gruppen blieb die Herzfunktion ungewöhnlich lange erhalten, das Herz blieb „jung“. Offenbar verzögern bereits geringe Mengen Rotweins den Altersprozess des Herzens.
Bei Resveratrol dürfte es sich also um einen regelrechten Tausendsassa unter den pflanzlichen Wirkstoffen handeln. Einige Studien haben bereits positive Effekte der Substanz bei Krankheiten wie Arteriosklerose, Herzkrankheiten, Arthritis und sogar manchen Autoimmunkrankheiten zeigen können. Resveratrol ist auch wegen seines „französischen Paradoxons“ bekannt geworden. Es beschreibt die Tatsache, dass Franzosen trotz hohen Konsums von gesättigten Fettsäuren und Nikotin eine wesentlich geringere Rate (weniger als 40 Prozent) an Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Als Ursache wird der regelmäßige Genuss von Rotwein angegeben.

Inwieweit Resveratrol auch gegen Krebs beim Menschen bzw. vorbeugend gegen Krebs hilft, ist noch nicht abschließend erwiesen. Nachgewiesen wurde jedoch, dass es bei der Abtötung von Krebszellen hilft, indem es hemmend auf ein Protein einwirkt, welches für das Überleben von Krebszellen entscheidend ist.

Der Stoff ist allerdings schlecht bis gar nicht wasserunlöslich. Daher könnte er vom Körper nicht in ausreichender Menge aufgenommen werden, um so seine komplette Wirkung gegen Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausreichend zu entfalten.
© SN/SW

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